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Alter Schinken

Tut es Ihnen nicht auch in der Seele weh? Bisher gehörten Gammelfleisch-Skandale zur urdeutschen Eigenheit. Die Deutschen wollen bekanntlich immer nur das Billigste. Logisch, dass man ihnen dann auch das Billigste gibt, das was sonst in den Abfall gehört.

Aber dass nun auch mein COOP-Laden um die Ecke auf Deutsch macht, bedrückt mich schon etwas. Bin ich doch ein COOP-Kind bis in die letzte Fleischfaser. Durch und durch COOP-verseucht wie nun das Fleisch in der Fleischtheke. Gut, eigentlich ist das ja nichts Neues. Wer hat zu Hause nicht auch schon das Entrecôte, welches seit drei Tagen im Fleischhimmel flattern sollte in die Pfanne gehauen? Jeder der es überlebt hat weiss, dass man es überlebt.

Nun wollten ein paar Mitarbeiter des Grossverteilers etwas gegen das unnötige Wegwerfen von Lebensmittel tun und das ist nun auch wieder nicht recht! Ja, die Welt ist ungerecht! Bisher hatte sich noch niemand beschwert, dass im TV nur alte Schinken zu sehen sind. Aber in der Fleischtheke bei COOP will man sie nicht.

Auch der „alte Schinken“ der mich an der Kasse bedient, hat noch keinen Skandal ausgelöst. Das finde ich einen Skandal. Zuerst werde ich von ihr nicht gegrüsst, prinzipiell. Da hilft auch kein lautes und aufdringliches „Grietzi!!“ meinerseits. Die Dame, deren Ablaufdatum schon seit Urzeiten überschritten scheint, hebt nicht mal den Kopf. Dann legt sie los. In einem horrenden Tempo schabt sie meine Waren über den Scanner und die vielen „Piep-Piep-Piep“ erinnern an eine Schachtel Küken, die gefüttert werden wollen. Ich habe kaum Zeit ihr meine Super-Card unter die Nase zu halten schon überquillt die Ablage nach der Kasse. Sie ist fertig. Da sie grundsätzlich keinen Ton von sich gibt bleibt sie nun regungslos sitzen und wartet bis ich den Betrag vom Monitor abgelesen habe. Ich gebe ihr eine Note und will ihr noch die Münzen nach dem Komma aus dem Portemonnaie suchen. Keine Chance! Sie hat bereits den Zahlvorgang beendet, mir den Kassa Bon mit dem Rückgeld in die Hand gedrückt und beginnt bereits den nächsten Kunden abzufertigen. Stress pur! Da die Kunden vor mir bereits auch keine Zeit hatten, ihre Waren zu verstauen, vermischen sich die Einkäufe von gefühlten sechs Kunden in der Warenablage nach der Kasse.

Gehetzt wie ein junges Reh... OK... wie ein junger Bär, suche ich mir meine Einkäufe zusammen und spüre, dass die Kundin nach mir bereits auch schon abgefertigt wurde. Stau! Dieser alte Schinken an der Kasse gehört entsorgt! Da machen sie alles, damit wir genussvoll und in Ruhe einkaufen können, aber an der Kasse wird man wie schlachtreifes Vieh durch die Kassenboxen getrieben.

Ich würde mich nicht wundern, wenn ich mal einen Herzinfarkt beim Einkaufen bekomme und tot umfalle. Dann würde schon wieder vergammeltes Fleisch aus einem COOP-Laden getragen...


Wöchentliche Kolumne von Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

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