Basel, 13. Februar 2012 - Renato Salvi

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Eine grosse (Fasnachts-) Familie

Ob man sie Mafia, Camorra oder Cosa Nostra nennt, gemeint sind immer Familien oder ähnliche Gemeinschaften. Bei uns heisst das FASNACHT.

Abgesehen von der fehlenden Gewaltbereitschaft kann man die Fasnachts-Familie durchaus mit den oben genannten Organisationen vergleichen. In jeder "Familie" hat es die Obmänner, die ihre Verbündeten um sich scharren. Dann lebt jede "Familie" von den Sympathisanten und dem Ansehen in der Fasnachts-Gesellschaft. Wie bei der Mafia gibt es auch unter der FASNACHTS-Camorra Rivalitäten. Diese werden allerdings nicht mit bleihaltigen Schiessereien ausgefochten. Die Fasnachts-Fehden werden stets verbal und pointiert geführt. Oftmals gewinnt die "Familie", die den schöneren und besseren Fasnachts-Zug präsentieren kann.

Dann redet man für einige Tage von der wahren Pracht und dem unglaublichen Ideenreichtum. Unter den Fasnachts-Mafiosi herrscht ein Kitt, den man sonst nur vom Klebstoff der dritten Zähne her kennt. Man unterstützt sich in der "Familie" und hat ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das manch einer zu hause bei seiner echten Familie nicht hat. Man kennt sich und ist per Du. Dies funktioniert zwischen einem Bankdirektor und dem Ausgesteuerten und zwischen SVP und SP Politikern. Was das "normale" Leben nicht schafft, gelingt der Fasnacht mit Bravour. Und dies auch oft über die eigene Clique hinweg. Da umarmen sich SEIBI-Mafiosi mit der VKB-Camorra und die NEGRO RHYGASS herzt die SCHOTTE-CLIQUE. Einigkeit, Geselligkeit, Heiterkeit! Alle sind sich einer Meinung: Wir sind alle eine grosse Fasnachts-Familie und wollen gemeinsam die drei schönsten Tage erleben. "Gäll Digge!"

Und schon am Fasnachts-Donnerstag sagt der Ausgesteuerte zum Bankdirektor: "Salli Megge!" Und der Bankdirektor sagt zum Ausgesteuerten: "Was isch, hämmer zämme Säu g'hietet?"

Es lebe die Fasnachts-Familie!

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Wöchentliche Kolumne von
Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

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