Es ist vollbracht!

Ich habe immer Bammel vor der Weihnacht. Früher jagte mir der 6. Dezember mit dem Santichlaus einen Schreck ein und heute ist es der 24. Dezember. So verändert man sich! Der 24. Dezember macht mich immer nervös. Nicht, wegen der unbefleckten Niederkunft der Maria, die im Eselstall ihrem Mann Josef aus heiterem Himmel und ohne sein Zutun ein Kind gebar. Das wäre heute in dieser Art kaum mehr möglich. Erstens, würde heute jemand in einem Eselstall ein Kind auf die Welt bringen, würde das Veterinäramt augenblicklich unter dem Türrahmen stehen. Sofort würde man eine Busse erhalten, da die unappetitliche Geburt bei den armen Eseln einen psychischen Schaden hinterlassen hat. Zweitens, würde sich niemand wirklich freuen auch kein Zimmermann, wenn seine Frau ein Kind auf die Welt stellt, ohne dass er seine Holde jemals nackt gesehen hätte. Da kämen nicht die „Heilligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar sondern es kämmen die „Drei Eiligen Scheidungsanwälte“ die weder Gold, Weihrauch noch Myrre im Gepäck hätten. So verändern sich eben die Zeiten.

Aber zurück zu meinem „Problem“. Das Schenken an Weihnachten ist für mich tatsächlich nicht so einfach. „Was schenke ich meiner Frau?“. Schenke ich ihr einen Gutschein für einen Wellness-Tag in einem Wohlfühlbad, inklusive Verschönerung der Frisur wird sie mich fragen: „Achso? Habe ich das etwa nötig?“. Kaufe ich ihr Schmuck für den Hals oder die beiden Ohrenlappen, höre ich schon ihren Kommentar: „Hat dir mein Schmuck bisher nicht gefallen?“.

Kleider schenken ist auch so eine Sache. Packt sie was aus, was ich ihr zu klein gekauft habe, dann glaubt sie, dass dies eine versteckte Mitteilung von mir sei, dass sie zu dick wäre. Kaufe ich die Hose zu gross höre ich sie schon sagen: „Also so dick bin ich nun auch wieder nicht!“. Wenn ich ihr irgend einen Blödsinn kaufe, dann lässt das darauf schliessen, dass mir nichts Besseres eingefallen ist.

Sollte sie von mir ein Buch bekommen, könnte sie meinen, ich möchte nicht mit ihr reden. Wenn ich nur daran denke, läuft mir ein Schweissrinnsal den Rücken runter bis in die Unterhose.
Achja, Unterschwäsche schenken ist auch gefährlich. Da lässt man ja irgendwie durchblicken, dass man seine Frau öfters darin sehen möchte und das kommt auch nicht immer gut an.
Darum habe ich meiner Frau in diesem Jahr NICHTS geschenkt. Sie hat mich glückselig umarmt, mir einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt und mir ins Ohr gehaucht: „Das ist wahre Liebe“. Und als ich sie fragte, was sie mir schenken würde, meinte sie nur: „Das Selbe wie Du mir...

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Wöchentliche Kolumne von
Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

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