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In seiner heutigen Kolumne zeigt Renato Salvi den Unterschied bzw. den Zusammenhang zwischen Herbstmesse und Herbst-Messen auf


Herbstmesse-Erinnerungen

Basel ist eine Messe-Stadt. Viele Messen finden hier statt. Aber eine Messe kann man mit keinen anderen vergleichen. Die Herbstmesse! Mit was für Kindheitserinnerungen verbinden Sie diese Orgie an Klängen, Farben, Gerüchen und Esswaren? Für mich gehörte der Besuch der Herbstmesse schon immer zum Muss.

Als Kind wäre es mir egal gewesen, wenn Weihnachten abgesagt worden wäre. Ebenso hätte es mich kein bisschen berührt, wenn damals der Osterhase wegen eines Burn-out ausgefallen wäre um sich wie „Gigi“ auf Ibiza zu erholen. Es hätte mich sogar kalt gelassen, wenn man meinen Geburtstag nicht mehr gefeiert hätte. Aber man konnte mich bestrafen, in dem man mir den Messebesuch weg genommen hätte! So war ich dann auch meist schon nach den Sommerferien besonders lieb, gab mir in der Schule plötzlich viel Mühe und bot mich freiwillig an, die unbeliebtesten Hausarbeiten bis an mein Lebensende zu übernehmen. So sicherte ich mir einen garantierten Messebummel mit Extra-Mess-Batzen!

Ich wusste schon immer, was mein Publikum von mir wollte.... Auf der Messe interessierte ich mich dann natürlich nicht für die Fahrgeschäfte. Schon beim Anblick der Achterbahn fühlte ich mich weich wie ein „Beggeschmutz“ und der Gedanke daran, auf ein Karussell (wir nannten es in der Familie immer „Dillibumm“) zu müssen, liess mich schwindelig werden, so als sei ich eine gebrannte Mandel in der Kupferpfanne. Die Herbstmesse ist für mich „Mässmogge“ und „Maagebrot“. „Brodwurscht“ und „Heissi Marroni“. Es gibt für mich nicht Schöneres, als an der Herbstmesse durch die Stadt zu flanieren und anderen dabei zuzusehen, wie sie ihr Geld in Schwindelmaschinen investieren. Ich investiere in Leckereien! Schon seit ich noch klein war.

Und wie alles im Leben gibt es auch hier zwei Seiten. Das Investieren in Süssigkeiten hat „Zinsen“ getragen, die ich heute noch gut „angelegt“ habe – auf meinen Hüften. Nach jeder Herbstmesse kam dann auch meine Mutter mit dem Meterband an, welches sie immer für ihre Schneiderarbeiten brauchte. Dies Ritual gehörte auch schon zur Herbstmesse, wie das Gekreische weiblicher Jugendlicher. Sie hielt mir das Meterband vors Gesicht, deutete mit dem Zeigefinger und mit strengem Blick auf meinen Bauch und meinte: „Die Herbstmesse ist vorbei. Nun folgt das Herbst-Messen!

Wöchentliche Kolumne von Renato Salvi
Schauspieler, Regisseur, Autor

www.renatosalvi.net
www.almisalvi.ch

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