In seiner bissigen Kolumne vom 11. Februar 2011 nimmt Meinrad Stöcklin kein Blatt vor den Mund:

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Schweizer Fernsehen hat Bogen überspannt

„Da fliegt mir doch das Blech weg“, hiess im Jahr 1982 ein Ohrwurm der Deutschen Band Spliff. So ähnlich geht es mir je länger je mehr, wenn ich sehe, was sich das Schweizer Fernsehen punkto Sportberichterstattung leistet. Es ist schlicht und einfach ein Skandal!

Aber der Reihe nach: die Schweiz ist das einzige Land, in welchem das Staatsfernsehen derart hartnäckigen Heimatschutz geniesst und mit Zwangsgebühren finanziert wird. Zwangsgebühren, die wohlverstanden alle bezahlen müssen, egal ob jemand das Schweizer Farbfernsehen schaut oder nicht.

Die Schweiz ist das einzige Land, in welchem der geschützte Staatssender trotz Gebühren (und somit finanziellen Luxusproblemen) selbst zur besten Sendezeit Werbung verkaufen darf. Ein Affront gegenüber der Konkurrenz, die sich auf dem freien Markt behaupten muss.

Die Schweiz ist das einzige Land, in dem die „Heilige Kuh“ des Staatssenders zwar einen Konzessionsauftrag hat, der die Bedingung und Pflicht enthält, sich gerade in der Sportberichterstattung nicht nur am Kommerz zu orientieren. Nur hat es keinerlei Konsequenzen, wenn dieser Auftrag (wie seit Jahren praktiziert) mit Füssen getreten wird.

Beispiele gefällig: Neuigkeiten von Alinghi und Sauber werden in schöner Regelmässigkeit inkl. Sponsorenerkennungen etc. vermeldet, oft sogar in der Tagesschau. Ich hege diesbezüglich einen bösen Verdacht. Da mir jedoch Beweise fehlen und ich keinen Ärger möchte, gehe ich nicht näher darauf ein.

Aktuelle Beispiele aus den letzten Wochen: das Weltklasse-Springreitturnier in Basel fand im Schweizer Fernsehen praktisch nicht statt. Vom deutlich schlechter besetzten Turnier wenige Wochen später in Zürich gab es Live-Übertragungen und der gleiche Sender war an einem Hindernis für Pferde sogar als Sponsor zu sehen. Darf das ein mit Zwangsgebühren finanzierten Sender? Meiner Meinung ist klar Nein.

Ende Januar fand in Schweden die bis zur letzten Sekunde extrem spannende Handball-Weltmeisterschaft statt. Der Anlass fand im Schweizer Fernsehen nicht statt. Ein Skandal! Dafür ist zwischen September und April jeder Eishockey-Puck zu sehen, der in der überschätzten Schweizer NLA irgendwo in einem Netz zappelt. Am Abend das spektakulären Handball-WM-Finals zwischen Frankreich und Dänemark erfuhr man im Schweizer Fernsehen in der Wochenend-Sportsendung nur am Rande davon, dafür wurde in der gleichen Sendung der streitbare Hans Jucker onaniemässig verabschiedet. Unsäglich.

Meine Forderung: entweder keine Gebühren oder keine Werbung mehr. Oder frei nach Spliff: bevor mir (und gewiss noch vielen anderen) definitiv das „Blech wegfliegt“, muss der unzeitgemässe Zopf der Zwangsgebühren (Stichwort Billag) dringend und endlich abgeschnitten werden.

Meinrad Stöcklin

Meinrad Stöcklin ist Präsident der Vereinigung Baselbieter Sportjournalisten und wohnt in Frenkendorf.
www.meinradstoecklin.ch

 

 

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