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Nanu – kein Peter heute früh? Wo er doch sonst meist als Erster sein Morgenschlückchen Rahm abholt und dann aufs Frühstück wartet...

Ein nasser Morgen im Februar, vielleicht schläft er auch noch in seinemBettchen auf Nachbarins Sitzplatz. Er wird schon noch kommen!
Oder doch nicht? Zwei Stunden schon, so lange bleibt er doch sonst nicht weg? Muss ich mir Sorgen machen?

Ich gehe ihn suchen – und finde ihn zu meiner Ueberraschung ausgestreckt auf dem Gästebett liegen, regungslos, mit völlig verdrecktem Fell, nur der Bauch hebt und senkt sich. Seltsam. Aber ich lasse ihn noch etwas schlafen, vielleicht hatte er eine anstrengende Nacht? Mit einer Revierrauferei?
In Ueberbauungen gibt es meist zuviele Katzen und zuwenig Platz für genügend grosse Reviere, also geraten sie schon öfters aneinander.

Eine weitere Stunde und keine Bewegung – das gefällt mir immer weniger, jetzt wecke ich ihn. Er schaut verwirrt, mit Riesenpupillen, versucht aufzustehen und torkelt gleich so herum, dass er es nicht mal bis zur Tür schafft. Ooh je - da ist Einiges im Argen...

Wenn es brennt, rufe ich Andreas an. Ein Bekannter, der anders mit Tieren kommuniziert als alle, die ich sonst kenne, denn er besitzt die seltene Gabe der Hellsichtigkeit. Seine Auskunft kommt in Sekundenschnelle: Peter wurde letzte Nacht angefahren, dunkles Auto, am Steuer ein älterer Herr mit Hut, er sei normal schnell gefahren, habe aber den Zusammenstoss gar nicht bemerkt. Der Kater sei weggeschleudert worden und im Dreck gelandet, habe es aber mit aller Konzentration gerade noch nach Hause geschafft. Er habe einen Schock und eine Hirnerschütterung; gebrochen sei nichts, aber gequetschte Rippen und andere Prellungen, es gebe einen grossen Schatten hinten auf der Lunge, vermutlich Blutungen.

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Tja Peter – nichts wie los in die Tierklinik! Dann muss ich die Nachbarin informieren, eine reizende alte Dame und sehr tierliebend. Peter „gehört“ eigentlich ihr, er war ihr schon erwachsen zugelaufen, sicher zehn Jahre, bevor ich hier eingezogen bin, und das sind jetzt auch schon bald fünf Jahre. Bald einmal fand er es bei uns drüben eigentlich auch noch recht wohnlich und teilt sich seither getreulich zwischen uns auf, schliesslich muss man alle berücksichtigen. Hüben und drüben ist alles bereit für ein angenehmes Katzenleben, und jemand hat immer Zeit, wenn die Schmusestunde kommt.

Er muss also mindestens sechzehn Jahre alt sein, vielleicht aber auch schon älter, das weiss niemand wirklich. Doch dafür ist er in Topform – er sieht gut aus, hat wache Augen und ein schönes Fell, und wenn er seine verrückte Stunde hat, rennt und spielt er auf der Wiese herum wie ein junges Kätzchen.

Bis zur Unglücksnacht. Drei Tage muss der kleine Mann in der Tierklinik bleiben, mit Infusion und Schmerzmitteln, denn er will nicht essen, und Prellungen können ganz übel wehtun. Und ja, auch die Verdauung geht im Moment gerade nicht von allein. Doch am vierten Tag kann ich ihn wieder nach Hause holen, alle sind glücklich und er am meisten! Raus aus der Transportbox, auf den Sitzplatz und rüber zur Nachbarin, man muss sich ja zurückmelden. Es scheint ihm wirklich wieder gut zu gehen, auch wenn er etwas schmaler geworden ist, manches geht noch ein bisschen langsamer und er schläft viel, aber er kann sich alle Zeit nehmen für seine vollständige Erholung.

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Nun ist das wohl eine Geschichte, wie sie leider alle Tage passiert. Es gibt zwei Gründe, warum ich sie trotzdem aufschreibe. Der erste ist die Diagnose der Tierärztin: Peter sei wohl angefahren worden und dann in den Dreck geflogen, daher das schmutzige Fell. Er habe einen Schock und eine Gehirnerschütterung davongetragen, deshalb das Torkeln und die erweiterten Pupillen. Es gebe mehrere schmerzhafte Prellungen, vor allem auf Brusthöhe, dazu Hämatome im Rückenbereich.

Moment mal – hatte ich dasselbe nicht beim ersten Anruf von Andreas schon gehört? Verblüffend, oder?

Der zweite Grund: Eines Tages ein Anruf von Andreas. Peter (der Kater) habe sich bei ihm gemeldet, mit dem Wunsch, dass ich seine Geschichte aufschreibe und mit vielen schönen Fotos von ihm an alle, wirklich alle Leute schicke, die ich kenne... na sowas! Da will jemand berühmt werden? Der stille, unauffällige Kater, der sich nie in den Vordergrund drängt?

Eitelkeiten gibt es durchaus in der Tierwelt auch, und doch – so richtig selbstsüchtige Motive wie manche Menschen kennen sie nicht. Ich glaube eher, er möchte, dass möglichst viele andere Tiere Andreas auch erzählen können, wie es ihnen geht. Damit er es für ihre Menschen übersetzt..!

Unsere Katzen haben viele Geheimnisse, man kann sie lange nicht immer ergründen. Peter wird schon wissen, warum er das so haben will, also tue ich ihm selbstverständlich den Gefallen, und ich tue es gerne.

Eingereicht von Magdalena Kirchner, Breitenbach

Quelle: www.faroanimales.org / Tiergeschichten

P.S. Und wir von Regioonline verbreiten Peters Nachricht auch gerne weiter! :-)

 

 

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